Ständerat Ruedi Noser zur Digitalisierung

Der Informatikunternehmer…

Die VKB hatte Herrn Noser als Referenten an die Mitgliederversammlung vom 8. Mai eingeladen, weil er zum einen als Parlamentarier seit 2003 Einblick in die Bundesverwaltung hat. Zum andern ist er Unternehmer in der Informations- und Kommunikationsbranche. Die Digitalisierung, die auch die Bundesverwaltung beschäftigt, wird von der Technologie, von der Informations- und Kommunikationstechnik, IKT, getrieben. Mit 500 Mitarbeitenden gehört die Noser-Gruppe heute zu den grössten IKT-Unternehmen der Schweiz. Die Kompetenz der Gruppe liegt im Bereich Telekommunikation und Informatik. Die Gruppe gehört zu den führenden Anbietern von IKT-Lösungen und -Dienstleistungen in der Schweiz.

… der sich zum Abbau von Stellen nicht direkt äusserte

Die VKB hatte dem Referenten folgendes Thema vorgeschlagen: „Bundesverwaltung und Digitalisierung: Könnten 20 bis 30 Prozent des Bundespersonals abgebaut werden? Die IKT-Technologien erlauben es, die Abläufe der Verwaltung zu vereinfachen, und die Produktivität der Arbeit zu erhöhen. Der Referent hatte diese Zahlen an einem andern Anlass erwähnt, als Effizienzgewinne durch konsequente Digitalisierung. Ständerat Noser sprach bei uns in freier Rede und ohne technische Hilfsmittel. Er erläuterte seine allgemein gehaltenen Thesen anhand von anschaulichen Beispielen.

 

Digitalisierung

Der Begriff wird erst seit einigen Jahren verwendet, das Phänomen gibt es aber schon lange. Bis jetzt bestand Digitalisierung darin, die Realität digital abzubilden. Beispiel dafür ist das Fotografieren mit der Digitalkamera oder das Einscannen von Schriftstücken, die als PDF-Dokumente den Angestellten übermittelt werden. Neu ist, dass virtuelle Systeme die Realität beeinflussen. Beispiele dafür sind das autonome Fahren von Autos (E-Mobilität: siehe Versuche mit Postautos) oder das Drucken mit 3D-Printing, welches die Prozesse der Produktion verändert.

Das Herzstück der digitalen Revolution ist die Plattformökonomie

Ob es um Vermittlung von Taxidiensten, Buchung von Hotelzimmern, Vermietung von Wohnungen oder Kauf von Waren usw. geht, immer mehr dringen vorwiegend ausländische Betreiber von Plattformen in unsere Märkte ein. Auf digitalen Plattformen (z.B. mittels Applikationen auf Smartphones) verbinden sie Kunden und Anbieter von Dienstleistungen und Produkten. Die Kunden finden alle Angebote an einer Stelle, können Preise und Funktionen vergleichen und sofort bestellen. Oft sind damit auch Zahlungssysteme verbunden.

Die anbietenden Unternehmen können eine voll entwickelte Infrastruktur benützen, ohne sie selbst aufbauen zu müssen. Sie sparen Kosten bei den Mieten von Geschäftsräumen und beim Marketing. Dafür bezahlen sie eine erhebliche Gebühr an den Betreiber der Plattform. Weil der Markt transparent ist, entsteht für die Anbieter ein starker Preis- und Innovationsdruck. Der Wettbewerb wird härter.

Ein gutes Beispiel für die Digitalisierung ist das Projekt Dazit der Zollverwaltung. Die Anmeldungen für den Zoll werden direkt von den Importeuren erledigt werden können, indem die Anmeldungen online in das System der Information übermittelt werden, einschliesslich der Abrechnung der Mehrwertsteuer. Die Verzollung der Waren an der Grenze entfällt.

 

Wer ist betroffen von der Digitalisierung?

Alle Bereiche, die mit Information zu tun haben, werden mit grossen Umwälzungen rechnen müssen. Es sind deren sehr viele. Bisherige Berufe, wie jener des Zollbeamten, werden verschwinden, und neue Berufe werden geschaffen.

Welches sind die Auswirkungen der Digitalisierung?

Territoriale Bindungen verlieren an Gewicht. Auf digitalen Plattformen werden Kunden und Anbieter aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland verbunden. Wo der Anbieter seinen Sitz hat, spielt keine grosse Rolle.

Kleinräumiges Denken ist überholt. Kantonale Handelsregister usw. sind in Frage zu stellen. Wir sollten globaler denken und handeln, d.h. digitale Plattformen von der Schweiz aus anbieten, um die riesigen Chancen der Digitalisierung auch für unser Land zu nutzen.

Werden Plattformen von Betreibern aus dem Ausland benützt, so fliessen die Einnahmen, die Gebühren, ins Ausland. Es werden auf diesen Einnahmen keine Steuern und keine Beiträge für Sozialversicherungen abgezogen.

Die Plattform-Wirtschaft stellt das Arbeitsrecht in Frage. Organisationen wie die AHV und die SUVA umschreiben Tätigkeiten, die entweder als Selbständigerwerbender oder Arbeitnehmer erbracht werden. Diese Umschreibungen werden der digitalen Realität nicht gerecht (Sind z.B. Uber-Taxifahrer als Partner Arbeitnehmer oder Unternehmer?).

Die Verwundbarkeit von elektronischen Systemen steigt stark durch die zunehmende Verbreitung von vernetzten Geräten: Cyber-Sicherheit. Auch der Datenschutz muss neu ausgerichtet werden.

Vieles ist ungewiss und schwer abzuschätzen. Was sich durchsetzen wird, sind Entwicklungen, die mit bedeutenden Gewinnen an Effizienz verbunden sind.